Karin Treyer, Paul Scherrer Institut (PSI): Schweizer Wasserkraft bekommt CO₂-Bestnote

- Wie nachhaltig sind Erneuerbare? Karin Treyer vom Technology Assessment Group des PSI nahm sich dieser Frage in ihrem Referat «Umweltauswirkungen im Lebenszyklus der Stromproduktion mit erneuerbaren Energien» an. Um sie zu beantworten, ist eine holistische Lebenszyklusanalyse der jeweiligen Energieform nötig: Verwendete Rohmaterialien, Produktion der Basismaterialien, Einsatz und Unterhalt...bis hin zum Lebensende – wenn etwa ein Wasserkraftwerk oder PV-Zellen wieder aus dem Verkehr gezogen werden

- Die Schweizer Wasserkraft, Speicherwasserkraft wie Laufwasserkraft, erhält in dieser Rechnung Bestnoten: Max 10g CO2-Equivalente dürften 2050 auf jede mit Wasserkraft produzierte Kilowattstunde Strom entfallen. Die lange Lebensdauer der Speicherwasserkraft und die Alpenlage sind dabei ein «Ass im Ärmel» - in Ländern wie Brasilien schneidet die Wasserkraft schlechter ab, weil sehr viel Biomasse umgegraben werden muss – was zu signifikanten Methan-Emissionen führt.

- Photovoltaik schlägt gemäss Treyer mit 30 bis 80g CO2-Equivalenten zu Buche. Wichtig ist, dass diese Module aus Glas, Aluminium, Kupfer etc. zunehmend recycelt – und nicht mehr verbrannt – werden, was die neue EU-Direktive auch verlangt. Bei Windkraft werden 10-35g CO2-eq/kWh veranschlagt, auch dort sind Stahl, Gusseisen, Kupfer etc. entscheidend für die Resultate – und das Recycling muss noch befriedigender gelöst werden.

Prof. Jürg Rohrer, ZHAW: Photovoltaik in den Alpen hocheffektiv, Ausbau hängt vom Mittelland ab

- Mit der PV-Versuchsanlage auf der Totalp in Davos auf 2500 Metern über Meer untersucht die Forschungsgruppe Erneuerbare Energien der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zusammen mit der ETH Lausanne, dem Schweizerischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) und den EKZ die Stromproduktion von Photovoltaikanlagen in den Alpen.

- Das Fazit: Photovoltaik kann in den Alpen pro Flächeneinheit ca. 3,5 Mal soviel Winterstrom erzeugen wie im Mittelland. Und der Winterstromanteil von etwa 50% macht PV-Anlagen in den Alpen sehr attraktiv für die Stromversorgung der Zukunft. «Wir werden früher od. später PV in den Alpen haben müssen», sagt Rohrer.

- Rohrer schätzt den Ausbau der Alpen-PV bis 2050 auf mind. 15 Quadratkilometer. Wer die Alpen schützen wolle, müsse an einem zügigen Ausbau der Photovoltaik im Mittelland interessiert sein, wo Dachflächen und Fassaden ein enormes PV-Potenzial bergen. Gemäss dem Referenten wird dieses derzeit erst zu 3,4% ausgenutzt. «Alle geeigneten Dächer in der Schweiz ergeben zusammen eine PV-Fläche von 230 bis 260 km2. Darauf liessen sich etwa zwei Drittel des heutigen Strombedarfs produzieren».

Quelle: VSE vom 08.09.2021, Events AlpEnForCe | AlpEnForCe

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