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Wenn Parmisse Jacot-Descombes über ihren Werdegang berichtet, beeindruckt sowohl ihr fundiertes Wissen im technischen Bereich als auch die Tatsache, dass sie letztlich offenbar eine Frau wie jede andere ist. Wie sie selbst betont, gibt es in der Schweiz ein kulturelles Problem. Obwohl allen klar ist, dass Frauen und Männer gleichgestellt sind, staunt trotzdem ein grosser Teil der Bevölkerung (Frauen wie Männer) über Frauen, die als Ingenieurinnen, Physikerinnen oder Maurerinnen arbeiten. Jacot-Descombes findet, dass es an der Zeit ist, Berufe nicht mehr unter geschlechtsspezifischen Aspekten zu betrachten.

Parmisse Jacot-Descombes wuchs im Iran auf, wo sie einen Abschluss in Physik machte. Ihr Vater war Bauingenieur, ihre Mutter Yogalehrerin. Beide haben sie dazu ermutigt, ihren Beruf nach ihren Affinitäten zu wählen, und das hat sie auch während ihrer gesamten Karriere getan.

Anfangs zögerte sie lange, welchen Weg sie einschlagen sollte, da sie sich für viele verschiedene Fächer begeisterte. Nach dem Studium der Materialwissenschaften interessierte sie sich für erneuerbare Energien und erlangte in diesem Bereich an der Universität Nantes einen Masterabschluss. Im Zuge ihres Studiums lernt sie die Schweiz kennen: Sie bewirbt sich für einen Praktikumsplatz bei Soltis (Frankreich) und landet in Lausanne, wo sie als Projektassistentin im Solarpark von Romande Energie und der EPFL arbeitet.

Die Branche sagt ihr zu, und sie beschliesst, sich mit einem Master in Projektmanagement weiterzubilden. Daraufhin vertieft sie ihr Wissen im Vertragswesen: öffentliche Ausschreibungen, Erstellung von Verträgen, Baustellenmanagement usw. Als Masterarbeit führt sie bei Sunergic in Vevey ein ERP-System für die Unternehmensführung ein. Sie bleibt in diesem Unternehmen und nutzt die Gelegenheit, um ihr Know-how in Sachen Photovoltaikprojekte aufzubauen.

Women in Power

In einem Meinungsbeitrag vom 8. März – dem Weltfrauentag – hat Nadine Brauchli, Leiterin Energie beim VSE und Mitglied der Geschäftsleitung, Frauen aufgerufen, in die Energiebranche einzutauchen. In einer losen Serie stellt der VSE unter dem Titel «Women in Power» Frauen vor, die diesem Aufruf nicht mehr Folge leisten müssen, weil sie bereits eingetaucht sind und erfolgreich in den verschiedensten Bereichen der Energiewelt arbeiten.

Ihr Weg führt sie anschliessend nach Berlin, wo sie in den Bereichen Windkraft und Freiflächensolaranlagen arbeitet. Dort schätzt sie insbesondere die andere Kultur, in der das Geschlecht keine Rolle spielt. «In Deutschland ist man zunächst einfach Ingenieur. Ob Frau oder Mann, ist unwichtig. Das ist eine andere Einstellung, die ich enorm geschätzt habe. Die Elternzeit stellt Männer und Frauen auf die gleiche Stufe, und das Familienleben ist kein Karrierehindernis.»

Nach ihrer Rückkehr nach Lausanne wird sie Projektleiterin bei SI-REN, eine Arbeit, die sie wegen der vielseitigen Aufgaben ausserordentlich schätzt. Als Projektleiterin betreut sie die Projekte von A bis Z: Finanzierung, Bewilligungen, Überwachung von Technologien und Vorschriften und natürlich technische Kontrollen.

Sie mag ihre Arbeit, ihre Kollegen und den Energiebereich. Sie hofft, dass ihr Werdegang andere Frauen motiviert, denselben Weg einzuschlagen:

«Die Energiebranche befindet sich im steten Wandel, sowohl im technischen als auch im politischen Bereich. Die Arbeit ist jeden Tag anders, und man lernt immer wieder Neues dazu. Ausserdem ist sie abwechslungsreich und nicht repetitiv. Ich hoffe sehr, dass dies andere Frauen motiviert, in diesem Bereich Karriere zu machen.»

Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen, www.strom.ch

Bild: www.strom.ch

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